Dieses Projekt ist der Kettenöler für meine F800. Nach langer Zeit der Kettenfett-Sprüherei bin ich endlich umgestiegen auf diesen Kettenöler. Insbesondere nach staubigen Schottereinsätzen bietet die Verwendung von Kettenöl deutliche Vorteile gegenüber bazigem Kettenfett, das den Dreck geradezu ansaugt.
Was ich allerdings nicht wollte, war ein Kettenöler, der mit dem Unterdruckprinzip arbeitet, und damit temperaturabhängig mal mehr oder weniger Öl abgibt, sondern ein Öler der wirklich eine klar definierte Menge Öl pro gefahrener Strecke abgibt. Inspiriert wurde mein Projekt dann vom Rehoiler, von dessen Erfinder ich auch den super Tipp zur Dellorto Dosierpumpe bekommen habe.
Der Kettenöler besteht aus einer Zentralelektronik, die unter der Verkleidung untergebracht ist und dort die Ölpumpe entsprechend der von einem Radsensor gemessenen Strecke ansteuert. Bedient wird diese Elektronik von einer kleinen Konsole, die am Lenker untergebracht ist und über die man mit einem Taster zwischen drei verschiedenen Ölmengen (Normalfahrt, Regen, Starkregen/Gelände) durchschalten kann.
Der Kettenöler verfügt außerdem über eine Bluetooth-Schnittstelle, über die der Status des Ölers mit einem Smartphone ausgelesen oder konfiguriert werden kann.

Zentralrechner des Kettenölers ist ein PIC16F630. Daran angeschlossen ist die Bedienkonsole, die aber lediglich aus einem Taster und drei Anzeige-LEDs besteht.
Als Radsensor stehen drei verschiedene Optionen zur Verfügung, Hall-Switch, Hall-Sensor oder Reed-Relais. Der PIC wertet den Radsensor über dessen integrierten Komparator aus, so dass auch Sensoren verwendet werden können, die ein analoges Signal liefern (z.B. Hall-Sensor, Opt2). Wer sich traut, kann natürlich auch gleich die Radsensoren seines ABS-Systems anzapfen. Ich persönlich möchte davon aber dringend abraten. Aus Erfahrung weiß ich, dass die Automobilindustrie sehr viel tut, um derart sicherheitsrelevante Systeme gegen Fehlfunktionen abzusichern - zu viel, als dass man das durch eine eventuell fehlerhafte Hobby-Elektronik mal eben kompromittieren sollte.
Die Dosierpumpe (Dellorto PLE8) wird über den MOSFET Q1 angesteuert. Mit jedem Puls befördert die Pumpe ca. 1/3 Tropfen Öl.
Außerdem angeschlossen an den PIC ist ein HC-05 Bluetooth-Modul, das über den Transistor T1 ein und ausgeschaltet werden kann. Das Einschalten erfolgt über einen lange anhaltenden Druck der Taste der Bedienkonsole.
Der PIC muss nach dem Ausschalten des Motorrads noch eine kurze Dauer im Betrieb bleiben, um Statusdaten (Shot-Zähler, verbleibenden Strecke bis zum nächsten Öl-Shot, etc.) in seinen Daten-Flash abzuspeichern, damit diese beim nächsten Einschalten des Kettenölers wieder geladen werden können. Zu diesem Zweck puffert C10 die Batteriespannung auch nach Abschalten der Bordspannung für einige hundert Millisekunden, während das Signal der abgeschalteten Bordspannung über den Eingang RA5 direkt an den PIC geleitet wird und diesen praktisch bezüglich des bevorstehenden Spannungseinbruchs sozusagen "vorwarnt".
Leider zieht sich die Abschaltung der Bordspannung bei der F800 sehr lange hin. Innerhalb von 50ms fällt die Spannung zwar von 12V auf ca. 3V, aber dann dauert es mehrere 100ms bis die Spannung weiter bis unter die Schwelle gefallen ist, bei der der PIC ein Low-Signal registriert. Das ist zu lange, als dass der Stützkondensator die Spannung für den PIC aufrecht halten könnte. Deswegen wird das Shutdown-Signal über die Widerstände R4 und R9 halbiert. Damit erzeugt man das Shutdown-Signal für den PIC bei einem Bordspannungslevel, der hoch genug ist, um früh genug auszulösen, gleichzeitig aber auch tief genug, um nicht bei jedem Bordspannungseinbruch (z.B. beim Motorstart) einen Shutdown für den Kettenöler auszulösen.
Alternativ (und so auch im Falle meiner F800) lässt sich der Kettenöler aber auch an dem Bordspannungsmodul betreiben, das eine steilere Abschaltrampe erzeugt.

Schaltplan des Kettenölers Schaltplan des Kettenölers

PIC-Code des Kettenölers

 

Bilder des Systems und vom Einbau

Betrieb des Kettenölers im Dauerölmodus mit 2 Sek-Takt

 

Smartphone-App:

Die entsprechende Smartphone-App gibt es aktuell nur für Android. Über die App lässt sich der Status des Kettenölers auslesen und entsprechend konfigurieren:

  • Ölmenge (Meter/Shot) für jede der drei Modi
  • Dauer des Tastendrucks, um Bluetooth einzuschalten
  • Spannungslevel des Komparators, der den Radsensor vermisst
  • Verschiedene Shot-Zähler
  • Verbleibende Strecke bis zum nächsten Öl-Shot

Ebenso über die Smartphone-App lässt sich der Kettenöler in einen Daueröl-Modus schalten, in dem der Öler in einem einstellbaren Zeitabstand Öl abgibt. Damit lässt sich die Kette gezielt durchölen.

Icon der Smartphone-App Icon der Smartphone-App

Screenshot der Smartphone-App Screenshot der Smartphone-App

 

Code der Andorid-App (update 5.8.2020)